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[DE] Vorschlag: Stilanalyse


(mcbetz) #1

Das LanguageTool könnte Autoren helfen, nicht nur fehlerfreie sondern auch attraktive Texte zu schreiben. Dabei könnte eine Stilanalyse helfen, wie sie etwa bei Papyrus Autor Verwendung findet. Sie basiert auf dem 10-Punkte-Text-ÜV von Andreas Eschbach. Folgende Regeln könnten meines Verständnisses nach recht leicht im LanguageTool integriert werden:

  1. Adjektive und Adverbien markieren um sie dann eventuell für stärkere Substantive oder Verben aufzugeben
  2. Blähwörter und Abschwächer markieren
  3. Gleichzeitigkeit anzeigen
  4. Passivkonstruktionen anzeigen
  5. Indirekte Wahrnehmung markieren (Liste: sah, wie; bemerkte, wie; dachte darüber nach, ob…)
  6. Lange Sätze anzeigen

Einige Hinweise sind auch bei der Prüfung Einfacher Sprache vorhanden, vielleicht ließe sich eine Analyse analog umsetzen.


(Jan Schreiber) #2

Danke für den Vorschlag. Einige Gedanken dazu:
Ich halte die Hinzufügung einer solchen Prüfung für eine gute Idee, aber sie sollte standardmäßig deaktiviert sein, weil sie fast nur für Benutzer hilfreich ist, die literarische Texte schreiben möchten. Für alle anderen würde sie äußerst irritierende false positives erzeugen.
Zu 1. Gedacht ist hier anscheinend an Wendungen wie "prächtiges Haus" – ersetzbar durch "Villa", "Anwesen"; "sie ging schnell zum Fenster" –
"sie sprang zum Fenster". Kann man machen, muss man aber nicht.
Zu 2. "Blähwörter und Abschwächer" mögen in literarischen Texten die Wirkung des Textes schmälern, in anderen Texten sind sie gerade Bestandteil des präzisen Schreibens. "Fast" und "kaum" z.B. werden meist zu den Blähwörtern gerechnet. Es macht aber einen enormen Unterschied, ob ich schreibe: "Wir hatten das Ufer fast erreicht, da kenterte das Boot.", oder "Als wir das Ufer erreichten, kenterte das Boot." Der erste Satz ist trotz vermeintlichem Blähwort sowohl klarer als auch (nach meinem Empfinden) spannender.
Zu 3. Was ist hier gemeint? Beispiele?
Zu 4. Was spricht denn gegen Passivkonstruktionen? Klar, sie sind schwerer zu verstehen und sollten vermieden werden (sic!), wenn man für Personen mit kognitiven Einschränkungen schreibt, aber selbst für literarische Texte sehe ich den Sinn einer solchen Regel nicht, wenn man für eine halbwegs gebildete und normal begabte Leserschaft schreibt. Was ist schlecht an dem Satz "Sie wurde von ihren Kollegen gedemütigt."?
Zu 5. Mehr Beispiele/Erklärungen wären hilfreich.
Zu 6. Das kann LT schon, soweit ich weiß.
--Jan


(mcbetz) #3

Hallo,

ich würde die Prüfung auch standardmäßig nicht aktivieren. Im Gegensatz zu den Rechtschreib- und Grammatikfehlern handelt es sich hier ja ausschließlich um Hinweise, nicht um einwandfreie Korrekturen. Ich stelle es mir eher wie die Prüfung auf einfache Sprache vor, die ja auch nur Hinweise gibt.

Vorangestellt zu meinen Kommentaren zu den einzelnen Prüfungen sei, dass die Hinweise die Autorin auf mögliche Verbesserungen in ihrem Text hinweist. Nicht mehr, nicht weniger.

  • zu 1. ja, genau
  • zu 2. die aufgeführten Beispiele kann ich sehr gut nachvollziehen und stimme der Einschränkung hier auch zu, aber es gibt ebensoviele Gegenbeispiele. Ziel der Prüfung ist es nur, die Autorin auf mögliche Blähformulierung hinzuweisen. Entscheiden muss sie selbst, ob sie sie verwendet oder nicht.
  • zu 3. Was mit "während, als und gerade als" als gleichzeitig beschrieben wird, kann die Autorin meist auch nacheinander beschreiben. "Als er das Auto sah, sprang er in den Graben." wird dann zu "Er sah das Auto. Dann sprang er in den Graben." Auch hier gilt wieder: Ob das klarer oder gar schöner ist, muss jede selbst entscheiden.
  • zu 4. Mit dem Passiv kann man den Handelnden verschleiern. "Sie wurde hinterrücks erdolcht". Ja von wem denn? "Der Butler rammte ihr den Dolch in den Rücken" lässt da keine Frage offen. Spannungsliteratur kann natürlich mit diesem Verstecken spielen, auch hier geht es eher um den Hinweis auf mögliche Korrekturen, die einen Text lebendiger machen können. (Die Prüfung auf einfache Sprache zeigt Passivkonstruktionen bereits an)
  • zu 5. Die Überlegung hier ist, dass indirekte Wahrnehmungen darauf hindeuten können, dass eine Szene durch eine direktere Beschreibung lebendiger werden könnte. "Sie bemerkte, wie sich ein Auto schnell näherte." ist richtig, klingt aber noch ein wenig statisch - also zumindest meiner Meinung nach. "Das Scheinwerferlicht kam schnell näher - und direkt auf sie zu." wäre eine Alternative. So deutlich wie im Beispiel von Eschbach ist es selten, ich sehe diese Prüfung nur als Fingerzeig auf mögliche ungenaue Beschreibungen.
  • zu 6. super!

(Jan Schreiber) #4

Ich habe mir das Verfahren von Andreas Eschbach jetzt mal in aller Ruhe durchgelesen und frage mich, ob eine entsprechende Funktionalität nicht besser in einer Spezialsoftware für Autoren nach dem Vorbild von z.B. oStorybook aufgehoben wäre, die ihrerseits LanguageTool verwenden könnte. Wahrscheinlich ließe sich so etwas auch als Extension zu LibreOffice realisieren.